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Besucher erkunden Förderschule

Erstellt von Waltraud Itschner |

Schule mit Förderschwerpunkt motorische Entwicklung in Landau öffnete ihre Türen und lud interessierte Besucher ein - große Resonanz

 

Die sechsjährige Serafina ist gespannt: Sie darf sich heute in ihrer zukünftigen Schule umschauen. Der Physiotherapeut Stefan Knochel wird sie und ihre Pflegemutter durch die Räume der Schule mit dem Schwerpunkt motorische Entwicklung im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus in Landau-Queichheim führen. Die Schule hatte an diesem ersten Samstag im März zum „Offenen Klassenzimmer“ eingeladen.

Einmal im Jahr öffnet die 1971 gegründete Förderschule ihre Türen für Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf aus einem Umkreis, der von Neustadt über Teile des Landkreises Germersheim bis in die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland und Hauenstein reicht. Auch Vertreter von Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen mit einem Handicap arbeiten, sind eingeladen. „Das Interesse ist immer groß“, sagt Förderschulkonrektorin Monika Hirschfeld. Sie steht mit dem Kollegium im Café San Paolo, das von Schülern der Werkstufe betrieben wird, den Besuchern für Informationen zur Verfügung. Dieses Mal lag die Resonanz mit rund 60 Besuchern deutlich über der in den vergangenen Jahren, freut sich Monika Hirschfeld.

Stefan Knochel hat mit seiner Gruppe inzwischen den in einem gelben Farbton gehaltenen Flur erreicht. „Damit sich die Kinder hier zurecht finden, haben alle Wände in den Fluren unterschiedliche Farben“, erklärt er. Das ist sein Reich, und für seine Arbeit stehen ihm zahlreiche Hilfsmittel und Geräte zur Verfügung, die die Motorik der körperlich unterschiedlich beeinträchtigten Kinder individuell unterstützen helfen. Serafina kennt sich hier aus. Zielstrebig steuert sie auf den Snoezelraum zu und macht es sich mit ihrer Pflegemutter auf dem Wasserbett gemütlich, während über ihr die von einer Spiegelkugel ausgesandten Sterne kreisen und aus einem Lautsprecher sanfte Musik erklingt. „Der Besuch dieses Raums gehört zum Unterrichtsprogramm jeder Klasse“, erklärt Stefan Knochel. Er dient auch als geschützte Zone, wenn ein Kind ein besonderes Ruhebedürfnis erkennen lässt. Die Kinder des benachbarten Förderkindergartens, den Serafina besucht, sind hier oft zu Gast. Sie ist inzwischen zum Ende des Flurs vorausgelaufen und zeigt stolz auf das Lehrschwimmbecken, wo die Kinder das nasse Element mit allen Sinnen erfahren, sich vom wohlig warmen Wasser tragen lassen und spielerisch schwimmen lernen.

Über den Schulhof geht‘s weiter in die neue Turnhalle. Serafina ist beim Anblick der Bewegungslandschaft mit Sportgeräten, Schaukeln und Matten kaum zu bremsen, doch die Führung ist zeitlich straff getaktet, und die Gruppe muss weiter. Auch Lerneinheiten können die Gäste miterleben. Deshalb bekommt die Klasse von Petra Marks-Eichhorn und Antje Krotwaart Besuch beim „bewegten Lernen“. Cara, Rugie, Max, Mona, Noah und Kevin sind bei der Vorstellungsrunde im Stuhlkreis noch ganz aufgeregt, werden aber cooler, als die Gäste ebenfalls ihren Namen nennen. Auch „Herr Schmitt“ wird vorgestellt, ein lebensgroßes Kunststoff-Skelett, das als Modell für den menschlichen Körper dient. Dann kramen die Kinder reihum aus einer Fühlkiste Bilder von Körperteilen hervor und benennen sie: Kopf, Fuß, Bauch, Arm …  Danach geht’s an die Bewegung: Kopf schütteln, Arme hochhalten, mit dem Fuß stampfen ... Die folgende Stillarbeit an den Tischen mit vielfältigem, zum Thema passenden Material überwacht ein Wecker: Etwa 20 Minuten dauert jeder der drei Teile der Unterrichtsstunde.

Die psychomotorische Förderung spielt an der Förderschule eine zentrale Rolle.  Beeinträchtigte Kinder können hier fehlende Bewegungserfahrungen ihren Bedürfnissen entsprechend nachholen. 150 Schüler werden hier unterrichtet, etwa zwei Drittel davon im Bereich „ganzheitliche Entwicklung“ (15 Klassen, zwölf Schuljahre) und ein Drittel in den Bereichen Grundschule und Berufsreife (neun Schuljahre, unterschiedliche Klassenstufen) und im Bereich mit dem Förderschwerpunkt Lernen (drei Klassen, neun Schuljahre). Unterrichtet und betreut werden sie von qualifiziertem Personal wie Förderschullehrern, pädagogischen Fachkräften, zum Teil mit pädagogischer Zusatzausbildung, Kinderkrankenschwestern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden.

 

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